DECT-Basen von Auerswald

Halli-Hallo,

heute war ich bei einem Kollegen, als er einen Fachhändler zu Besuch hatte, der ihm eine Auerswald-TK-Anlage verkaufen soll. Ich habe ihn auf die Auerswald DECT-Lösungen angesprochen. Da hat er gesagt, dass sie teuer sind und nichts taugen. Er begründete es weiter damit, dass die DECT-Technik zugekauft sei und nur zur Komplettierung des Portfolios diene. Pro Jahr würden in Deutschland ca. nur 3 Mobilteile DECT 900C verkauft.
Er empfiehlt nur Gigaset DECT-Telefone, vorzugsweise aus der SL-Serie.

Der Kollege wird eine Compact 5020 Voip, 1 Systemtelefon 2500 und 3 Mobilteile benötigen.

Klar, analoge DECT-Schnurlostelefone sind preiswerter zu haben, aber hat er sich nicht vielleicht etwas weit aus dem Fenster gelehnt?
Was meint ihr?

Viele Grüße
zoo

Hi,

wahrscheinlich verkauft der Händler pro Jahr nur 3 Mobiltelefone deutschlandweit … verständlich bei der Verkaufsstrategie :rofl:!

Die Telefone sind IMHO tatsächlich nur gelabelt, die gibt es als swisscom-, elmeg- und was weiss ich nicht noch für Varianten. Letztlich sind die DHSG-Headsets aus dem Auerswald auch nur Plantronics CS-60, nur dass sie halt mehr kosten.

Korrekte Frage ist die nach der Kosten-Nutzen-Relation … ich persönlich würde die Teile vermutlich zu dem Preis nicht wieder kaufen, dazu sind sie zu wenig integriert. Vorteil: du kannst die Dinger zumindest im gui der TK grundeinrichten. Ob das die Kosten wirklich aufwiegt … für mich denke ich eher nicht. Muss aber jeder für sich entscheiden, ob er zig unterschiedliche interfaces konfigurieren und unterhalten will. Und wenn nicht, was ihm diese Bequemlichkeit wert ist.

Das die Teile nichts taugen, kann ich nicht bestätigen. Als DECT-Telefone machen die Dingers bei mir ihren Dienst ohne zu murren …

LG, Thomas

Die Auerswälder DECT-Technik kann ich nicht beurteilen, wohl aber das Gigaset-Zeug. Und das ist wirklich richtig gut. Mit 'ner Auerswald-Anlage kann man Gigaset-Technik zwar betreiben, aber Anlagenintegration (Anlagentelefonbuch etc.) gibt’s natürlich nicht.

Alexander

Also würdet ihr trotzdem eine Auerswald-DECT-Basis mit z.B. Gigaset-Mobilteilen einer reinen Analog-Gigaset-Anbindung vorziehen?

Ich habe den Vertriebler auch gefragt, ob man Gigasets mit ISDN-Basis nehmen könnte. Er meinte nur, dass das wohl nicht ginge. Die Gigaset-ISDN-Basen können wohl nur eine MSN verwalten. Angeblich hat er es ausprobiert. Ich habe es ihm nicht geglaubt…

Zu Hause haben wir von Swissvoice das Eurit 758 mit mehren MSN und Mobilteilen. Die tun es, problemlos, haben aber teilweise ein langsames Reagieren der Menüführung und könnten etwas besser sein. Die wollte ich dem Kollegen daher nicht wirklich empfehlen.

Das ISDN-Basen nur eine MSM können, glaube ich mal schlicht nicht, denn das wäre reichlich dämlich. Die Gigaset-Handbücher kann man sich unter http://gigaset.com/de/de/cms/PageCustomerServicesDownloadsManuals.html aus dem Netz laden, da sollte so etwas drin stehen.

Eine analoge DECT-Basis beschränkt dich auf exakt eine Rufnummer für alle Mobilteile und exakt ein Gespräch über die Anlage; und du hast keinen Zugriff auf das Anlagentelefonbuch. Das halte ich für die Minimallösung. Mir reicht das, denn ich nutze nur exakt ein Mobilteil (Gigaset OEM).

Eine ISDN-DECT-Basis erlaubt theoretisch beliebig viele Rufnummern, beliebig viele Rufnummern pro Mobilteil, und maximal zwei Gespräche über die Anlage. Zugriff auf das Anlagentelefonbuch bekommst Du nur, wenn Anlage und Basis sich sehr gut verstehen (typischerweise selbe Marke), denn dafür gibt es meines Wissens keinen Standard. Das bekommst Du mit einer Auerswald-DECT-Basis in Kombination mit einer Auerswald-Telefonanlage. Eine “fremde” ISDN-DECT-Basis wird entsprechend funktionieren, aber keinen Zugriff auf Anlagenfunktionen haben, die über das hinausgehen, was auch ein einfaches ISDN-Telefon kann.

Eine Speziallösung (typischerweise im Rahmen einer ernsthaft großen Telefonanlage im Firmenumfeld) kann über DECT-Basen sehr viel mehr Gespräche über die Anlage führen, meistens gibt es mehrere Basen mit Hand-Over, und die pasenden Mobilteile haben über propritäre Funktionen Zugriff auf Anlagenfeatures wie das zentrale Telefonbuch.

Alexander

… was man so im Auerswald unter Zugriff und unter Anlagentelefonbuch versteht …

Wie gesagt, ich würde das Geld nicht noch mal raustun, dafür ist die Integration schlicht nicht tief genug. Der einmalige Zeitvorteil beim Einrichten und Anmelden der Geräte begründet für mich den nicht unerheblichen Mehrpreis nicht, erst recht nicht der manuell anzustossende Abgleich mit einem Teil des Anlagentelefonbuches.

Im Privatumfeld sollte das gut reichen, ist dann natürlich recht preisintensiv, im gewerblichen Umfeld landet man wieder bei den drei Hauptmanko’s der Lösungen aus dem Auerswald:

  1. Telefonbuch zu klein
  2. Telefonbuch viel zu klein und
  3. Telefonbuch so klein, dass man es eigentlich gar nicht nutzt. Zumindest halte ich das so …

LG, Thomas

Ich bin vom Umfang der Integration ebenfalls eher enttäuscht. Gibt es denn Mitbewerber, bei denen die DECTs wirklich so vollständig integriert sind, wie die schnurgebundenen Systemtelefone?

Mmh, jein … Die Frage ist ja tatsächlich, was willst Du mit dem mobilen Teil erreichen, steht es im Firmenumfeld oder bei Oma Trude zuhause.

Und braucht man ein mobiles Festnetztelefon überhaupt noch???

Im business-Umfeld gibt es schon Lösungen, die beeindruckend sind. Ein Freund supported in einem KMU mit 50 Arbeitsplätzen und ca. 200 Mitarbeitern - Transport- und Entsorgungsunternehmen. Die setzen dort komplett auf IT-basierte TK (Swyxx). Funktionsumfang und die usability sind extrem beeindruckend. Statt Mobilteil hat es apps auf den Smartphones, die in der Firma im WLAN genauso funktionieren wie über HSPA. Fast sämtliche Funktionen des Arbeitsplatztelefones (wenn denn überhaupt eins benötigt wird - gute “Bildschirm-Telefone” mit Headset werden angeblich von den Mitarbeitern bevorzugt) sind auch auf dem Smartphone präsent.

Die Investitionskosten sind mittlerweile auf einem Niveau, wo ich solche Teile den hybriden Versuchen der Althersteller, ein wenig auf dieser Welle mit zu schwimmen, müde lächelnd vorziehen würde. Rechne mal selbst in einem kleinen Umfeld wie meinem (10 Arbeitsplätze, 10 Telefone) die Kosten für die Anlage selbst, die “add in’s” wie automatische Zentrale und LAN-Tapi, third party- Spielzeuge wie CTI und Fax-/SMS-Server sowie die Kosten für DHSG-fähige Systemtelefone und entsprechende Headsets plus Steckmodule für jeden Mist zusammen. Da kommt einem mittlerweile das Gruseln - nur ist es jetzt halt schon bezahlt. Nicht zu reden von dem doch recht heftigen Verwaltungsaufwand, wenn Du für jeden Dreck, der in einer guten IT-Lösung bereits implementiert ist, ein Spielzeug von Drittherstellern benötigst und alles separat administrieren musst. Ich muss bei den - relativ seltenen - administrativen Eingriffen mir ersteinmal wieder klar machen, welche Einstellung bei welchem Spielzeug wo versteckt ist. Und die Waldarbeiter schiessen mit Ihrem Konfigurationswirrwarr definitv den Vogel ab, da kommt nicht mal der Officemaster mit.

Mit anderen Worten: wenn ich Stand heute nochmal neu anfangen müsste, würde keine separate TK-Kiste mehr an der Wand oder im Rack hängen, es sei den, es läuft ein Server-OS drauf :rofl:
Für das private Umfeld ist das Stand heute sicher noch nicht zu realisieren und IMHO auch nicht wirklich notwendig … aber wer weiss?

LG, Thomas

Brauchst Du Ihm nicht glauben. Ich habe schon oft Auerswald mit Gigaset ISDN gemischt/ergänzt, habe auch mit mehreren Repeatern und mehreren ISDN Basen Handovers und größere Flächen abgedeckt, ja aufwändig, aber günstiger und mit mehr Reichweite als die 900er Serie.

Und Ihr redet alle von der 900er Serie und nicht von der 1000er? ;).