Für Gigabit Ethernet brauchst Du Cat5e oder besser Cat6. Darüber funktionieren ISDN und analoge Telefonie auch hervorragend. Damit sind Kabel und Dosen festgelegt.
Die Kabellängen und Terminierungsregeln gelten immer, auch für eine strukturierte Verkabelung: Max. 100 m für Ethernet, max. 600 m für analoge Telefone, max. 150 m für einen S0-Bus, max. 2 m von der S0-Dose zum Gerät, keine Abzweigungen, Terminierung exakt an beiden Enden des Busses.
ISDN und Ethernet funktionieren ohne weiteres in handelsüblichen Cat6-Dosen. Für analoge Anschlüsse steckst Du einen handelsüblichen Adapter (typischerweise als “Adapter für Fritzbox” bezeichnet) von Western auf TAE in die Wanddose, oder Du wechselst das Anschlußkabel des jeweiligen Gerätes aus.
Insbesondere installierst Du nicht eine einzige ISDN-Dose, die bringen absolut keinen Vorteil gegenüber Cat6-Dosen, nicht einmal beim Preis.
Also machst Du eine schöne Sternverteilung mit Cat6 überall dorthin, wo Du in den nächsten 10 bis 20 Jahren analoge Telefone, ISDN-Geräte oder Computer betreiben willst. Wo Du im Moment ein Gerät aufstellen willst, baust Du zwei Dosen (oder eine Doppeldose) hin. Wo Du zwei hinstellen willst, baust Du vier Dosen hin. Wo Du im Moment gar nichts hinstellst, aber später vielleicht mal etwas hinstellen KÖNNTEST, baust Du auch zwei Dosen hin. Von jedem Punkt im Raum solltest Du auch mit vielen Möbeln nicht mehr als etwa drei Meter Kabel zur nächsten Dose brauchen. Ob Du die aktuell ungenutzen Dosen verkabelst, ist Dir überlassen, ich würde es auf jeden Fall tun.
Alle Kabel kommen entweder in Kabelrohre mit Zugseilen oder in Kabelkanäle, alle Kabel haben ein Ende im Technikraum. Es wird NIRGENDWO geflickt, vom Technikraum bis zur Dose führt jeweils ein einziges Stück Kabel, die gesamte Leitung wird für mindestens Gigabit Ethernet geprüft (richtig gemessen, nicht nur Durchgang und Pinzuordnung). Wenn Du noch nie eine Verkabelung für Gigabit Ethernet installiert hast, solltest Du das vielleicht besser einem Experten (Fachbetrieb) überlassen. GE ist gelegentlich etwas mimosenhaft, wenn es um Paarigkeit, Verdrillung und Biegeradien geht.
Ob Du im Klo Telefon und/oder Computer brauchst, ist Deine Entscheidung, aber in der Küche würde ich wenigstens eine Doppeldose (Telefon) vorsehen.
So, damit kannst Du schonmal ALLE analogen Telefone und ALLE PCs betreiben (vorausgesetzt, Du patcht entsprechend im Technikraum).
ISDN ist schmerzfrei, so lange Du bei einber Buslänge von unter 100m bleibst und nicht mehr als zwei ISDN-Geräte am Bus betreibst (mehr sind ohnehin nur extrem selten sinnvoll):
Pro internem S0-Bus der Telefonanlage (jaja, die 2206 hat nur einen!) siehst Du ZWEI Patchbuchsen in der Verteilung vor. Entweder schaltest Du die beiden Patchbuchsen direkt parallel und gehst Dann dann über EIN max. 2 m langes Kabel zur Anlage. Oder, sauberer, verbindest Du jede der beiden Buchsen einzeln mit dem jeweiligen S0-Bus der Anlage, so dass die Anlage mitten zwischen beiden Buchsen sitzt. Die Terminierung in der Anlage schaltest Du in beiden Fällen AUS.
Die beiden ISDN-Geräte pro S0-Bus steckst Du über je eine Durchgangsterminierung (z.B. Reichelts “ISDN 8-4RSB”) in die installierten Dosen. Die Terminierung BLEIBT in der Dose, auch wenn Du das Gerät abziehst. Wenn Du an einem Punkt gehäuft ISDN-Geräte betreibst, kannst Du stattdessen auch einen ISDN-Verteiler mit interner Terminierung anschließen (z.B. Reichelts “ISDN RJ45 1-5” oder “ISDN RJ45 1-8”). Wenn Du einen S0-Bus nur mit einem “Bein” betreiben willst, steckst Du die Durchgangsterminierung direkt in die Patchdose, die direkt mit der Anlage verkabelt ist.
Diese Art der Verkabelung hat den Vorteil, dass Du jederzeit ein ISDN-Gerät durch Umpatchen gegen ein analoges oder ein Ethernet-Gerät tauschen kannst. Der Nachteil ist ganz klar, dass Du pro Bus eigentlich nur zwei ISDN-Geräte betreiben kannst, auf jeden Fall kannst Du pro Bus nur maximal zwei Räume versorgen. Das ist aber ohnehin die sinnvolle Obergrenze für S0, mehr als zwei Gespräche gleichzeitig gehen einfach nicht.
Eine andere Verkabelungsvariante ist, die zwei bei ISDN ungenutzen Paare des Kabels dazu zu benutzen, den Bus von der Wanddose zurück in den Technikraum auf eine weitere Patchdose zu führen. Damit ist dieses Kabel natürlich für alle Zeiten auf ISDN festgelegt. Das kann man mit insgesamt 11 Wanddosen pro Bus machen, die Terminierung kommt dann fest in den Technikraum als RJ45-Stecker mit Abschlußwiderständen (z.B. Reichelts “MODULARABSCHLUSS”). Die 12. Wanddose, die ISDN eigentlich vorsieht, geht für den Anschluß der Anlage drauf. Ich halte von dieser Variante nicht viel, denn sie legt die Kabelnutzung fest und erzeugt jede Menge unnötige mögliche Fehlerstellen. Außerdem zählt jedes installierte Kabel wegen der Hinführunz zur Wanddose und der Rückführung zum Patchpanel mit seiner doppelten Länge. Und schließlich brint sie nicht viel, denn auch mit dieser Variante ist bei zwei gleichzeitigen Gesprächen Schluß am Bus.
Eine dritte Variante ist eine reinrassige Sternverteilung des S0-Bus, dafür gibt es extra Geräte, die einen S0-Bus sauber zu einem Stern verteilen können. Die billigen, oben erwähnten Multiplugs können das NICHT (wegen der Kabellängen). Damit habe ich allerdings noch keine Erfahrungen, und auch diese Geräte können nicht mehr als zwei Geräte über den S0-Bus bewegen. Also auch eher Unsinn.
Analoge Verkabelung:
Die 2206 (und alle nachfolgenden Anlagen) kommt mit einer reinen Zweidraht-Verkabelung (a und b) aus, eine Erdleitung (E) aus alten Klapperrelais-Zeiten brauchst Du nicht, und Zusatzklingeln (“Wecker”, W) regeln Telefon, TAE-Adapter und Klingel unter sich.
Der internationale Standard ist, a und b auf 4 und 5 der achtpoligen Western-Dosen zu schalten, und genau daran solltest Du Dich halten. Ein sechspoliger Western-Stecker paßt (ganz bewußt) auch in die achtpoligen Dosen, Pins 1 bis 6 des Steckers stecken dann auf Pins 2 bis 7 der Dose, Pin 3 und 4 des Steckers sind dann mit a und b belegt, wie das 99% aller Geräte und TAE-Adapter erwarten.
Du ziehst also von jedem einzelnen analogen Anschluß der Telefonanlage je eine Leitung zu je einer Patchdose, belegt mit a auf 4 und b auf 5. 1 bis 3 und 6 bis 8 bleiben frei.
Auerswald zeigt im Installationshandbuch auf Seite 25, dass sie in den internationalen Versionen außerdem noch die Pins 2 und 5 ihrer sechspoligen Buchsen entsprechend Pins 3 und 6 der achtpoligen Buchsen mit b und a beschalten, das erspart Adapterei für das eine Prozent der alten Siemens- und Telekom-Geräte, die a und b auf Pins 5 und 2 des sechspoligen Steckers erwarten. Das würde ich nicht machen, weil man die freien Leitungspaare besser anders nutzen kann. Für dermaßen dämlich beschaltete Geräte würde ich das originale TAE-Kabel weiter benutzen und einen TAE-Adapter zwischen Gerät und Wanddose stecken.
Womit ich beim nächsten Thema wäre: Adapterbasteleien, wenn dann doch mal zu wenig Kabel vorhanden sind.
Bei analogen Leitungen ist das ganz offensichtlich, in der Wand liegen vier Paare, doch das analoge Gerät läßt drei brach liegen. In Deutschland adaptiert man ohnehin auf TAE, da kann man auch mehrere Geräte an einen Adapter anschließen, der wenigstens eines der freien Paare zusätzlich zur Verfügung stellt, mit etwas mehr Aufwand kann man sogar alle vier Paare für vier analoge Geräte an einem Cat6-Kabel nutzen. Im Technikraum mußt Du entsprechend einen Gegen-Adapter haben, der die eine Patchdose auf bis zu vier der Anlage zugeordneten Patchdosen verteilt. Weil analoge Telefonie extrem unempfindlich ist, kannst Du so einen Adapter stumpf aus einem zerschnittenen Patchkabel zusammencrimpen - nicht schön, aber geht.
Für ISDN-Leitungen kannst Du auf den freien Paaren (1-2 und 7-8) beispielsweise noch zwei analoge Leitungen unterbringen, mit entsprechenden Adaptern an der Wanddose und im Technikraum.
Störungen kommen praktisch nicht vor, wenn Du pro Wanddose ein einzelnes Kabel ziehst, von Doppeldosen entsprechend zwei Kabel. Dafür ist Cat6 zu gut abgeschirmt. Bei den oben beschriebenen Adapterfrickeleien passiert meistens auch nichts, aber Du solltest Dir im Klaren sein, dass das bestenfalls eine Notlösung ist, insbesondere wenn Du ISDN und Analog mischt.
Letztes Thema: UP0 – der neue, bessere S0
UP0 ist an allen modernen Auerswald-Anlagen und Systemtelefonen vorhanden, außerdem gibt es Adapter, um einen anlagenseitigen UP0 auf S0 für alte Geräte umzusetzen. UP0 braucht nur ein Leitungspaar, wie analoge Telefone. Terminierung und Leitungslänge ist auch kein Problem mehr. Aber es gibt keinen Bus mehr, UP0 ist eine reine Punkt-zu-Punkt-Verbindung, wie auch Ethernet. Verkabeln kannst Du UP0 wie analoge Telefonie, aber Du kannst trotzdem an einer einzigen Doppelader ein Systemtelefon betreiben (oder eben einen S0-Adapter).
Leider hat Auerswald (noch) keinen Adapter, um einen anlagenseitigen S0-Bus wie an der alten 2206 auf UP0 umzusetzen. Und andere Hersteller knöpfen einem dafür dermaßen viel Geld ab, dass man mit einer modernen Auerswald-Anlage mit UP0 billiger davon kommt.
Die Türstelle kannst Du über ein TFS-Modul oder die neuen Dialog-Türstellen realisieren, wie es Dir gefällt. Die 2206 ist für das TFS-Modul ausgelegt, was man unter anderem daran sieht, dass das TFS-Modul von Systemtelefonen sehr gezielt angesteuert werden kann. Obwohl man mit einem Software-Update sicherlich alle Funktionen der Dialog-Türstellen an den Systemtelefonen wie die des TFS-Moduls erscheinen lassen könnte, hat Auerswald bislang kein solches Update für die 2206 herausgegeben. Für die 2206 ist eine Dialog-Türstelle nur ein weiteres internes Telefon. Alle Funktionen der Dialog-Türstellen mußt Du explizit über Tonwahl steuern (auch an Systemtelefonen!), unabhängig von der 2206. Ein Türöffner kann an die Dialog-Türstelle angeschlossen werden, auch der wird dann über Tonwahl gesteuert. Die Rufsignalisierung von der Dialog-Türstelle läuft stumpf dadurch, dass in der Türstelle jedem Taster eine Rufnummer zugeordnet ist. Lies am besten mal in der Bedienungsanleitung nach, was da genau abgeht.
Beide Türvarianten kannst Du stumpf über Westernbuchsen verkabeln, die Dialog-Station wie ein normales analoges Telefon, die TFS braucht ein paar Strippen mehr, und die Belegung mußt Du Dir selbst ausdenken, dafür gibt es keinen Standard. NF und GND sollten ein Paar sein, wegen der möglichen Störungen, und für die Relais-Schaltkontakte am Türöffner würde ich auch ein Paar benutzen. Der Rest ist mehr oder weniger beliebig.
Alexander